
Enduro Woche in Ligurien und dem Piemont
Piemont und Ligurien sind nicht nur ein Paradies für Feinschmecker. Zwei der größten Regionen Italiens, mit Grenze zu Frankreich waren heiß umkämpft, nicht nur zu Mussolinis Zeiten. Die Römer haben sich hier getummelt, die Habsburger waren dort und gingen wieder. Zurück blieb eine durch Landwirtschaft, Weinanbau und karge Bergwelten geprägte Landschaft von einzigartiger Schönheit.
Wir sind mit unseren Enduros nicht nur hierher gekommen, um Trüffel, Reis und die außerordentlich gute Rotweine der Region zu genießen, sondern wir wollen die alten Militärstraßen befahren. Als Einstieg für unsere "Schotterwoche" haben wir die wohl spannendste Route ausgesucht: die Ligurische Grenzkammstraße (LKS), ein Muss für jeden offroadbegeisterten Motorradfahrer. Es handelt sich dabei um jene raue Schotterpiste, die vom Colle di Tenda haarscharf entlang der Landesgrenze zwischen Italien und Frankreich über die Bergrücken der Seealpen klettert. Meist jenseits der 2000-Meter-Marke, ist sie gesegnet mit atemberaubenden Ausblicken bis hinunter zum Mittelmeer. Der Colle di Tenda hat als willkommene Herausforderung eine im oberen Teil geschotterte Südrampe mit insgesamt 48 dicht übereinander liegenden Kehren und zählt deshalb zu den interessantesten Passtrecken in den Alpen.

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Der Einstieg zur LGKS, zweigt vom Fort aus gesehen hinter dem Hügel, vor dem die Kasernen liegen, ab. Danach geht es durch ein Skigebiet aufwärts zu einer namenlosen Scharte. Die Strecke verläuft entlang des Kamms, der sich an der italienisch-französischen Grenze hinzieht.
Die wohl meistfotografierteste Passage an der LGKS, die Kehre am Col de la Boaire, erreicht man nach etwa acht Kilometern. Der stark ausgesetzte Bogen ist ein herausragendes Beispiel für die kühne Trassierung des alten Militärsträßchens. Danach wird der Zustand des Untergrundes wesentlich schlechter. Auf der Strecke über den Colle Malaberghe, wo sich die Piste in südliche Richtung wendet, herrscht teilweise sehr grober Schotter vor, es gibt viele ausgewaschene Stellen und auch kleinere Felstreppen. Nach 16 Kilometern passiert man den Col des Seigneurs, etwas unterhalb der Scheitelhöhe liegt das 2005 neu aufgebaute Rifugio Barbera. Der daran anschließende Streckenabschnitt, der teilweise aus dem Felsen herausgeschlagen wurde und unter dem Überhang verläuft, umgeht in einer weiten Kehre die Cima di Pèrtega. Nachdem man den Colle delle Vecchie tangiert hat, verändert sich die bis dahin baumlose Hochgebirgslandschaft. Der nun in Richtung Südosten verlaufende Weg geht durch Lärchenwälder bis man auf den Abzweig nach Monesi trifft.
Murmeltiere huschen pfeifend durch das graue Geröll, das hier oben die Vegetation fast völlig ablöst. Nur ein wenig dünnes Gestrüpp und struppiges Gras wachsen an ein paar Stellen. Erst am Colla Melosa, ganz am Südende neigt sich die vor ca. 80 Jahren gebaute Straße zum Mittelmeer hinab. Weitere Schotterpisten, die ebenfalls aus kriegerischen Zeiten stammen und die jeder Endurist einmal befahren sollte, liegen genaugenommen nicht in Ligurien sondern im südlichen Piemont.
Die Maira-Stura-Kammstraße, auch kurz MSKS, ein ehemaliges Militärsträßchen, ist eher eine Höhen- als eine Kammstraße. Zwischen dem Colle Valcavera und dem Colle del Preit zieht sich die Piste nahezu parallel zum südwestlich gelegenen Valle Stura auf durchschnittlich 2400 m Höhe durch das Gebirge. Obwohl die Maira-Stura-Kammstraße heute zu 70 % geteert ist, bleibt sie dennoch landschaftlich ein Leckerbissen und ist deshalb schon eine Reise wert.

Fast parallel zur Maira-Stura-Kammstraße verläuft etwas nördlich die Varaita-Maira-Kammstraße. Jenseits des Colle Birrone gibt es den schwierigeren Teil der VMKS: Nach einigen steilen und etwas ruppigen Kehren führt der Weg zum Teil durch Hangrutschungszonen mit grobem Geröll. Am Colle di Sampéyre bietet die asphaltierte Straße von Sampéyre nach Elva die Gelegenheit, sowohl ins Varaita- als auch ins Mairatal abzufahren.
Und im nächsten Jahr nehmen wir uns weiter nördlich die Assietta-Kammstrasse, den Sommeillier und den Parpaillon vor, kulinarische Genüsse nicht ausgeschlossen.





Text und Fotos: Timo Rokitta
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