Es ist Mitte August, das Allgäu gleicht einer Seenplatte und es sind nur sieben Grad Außentemperatur, auf den Berggipfeln liegt schon Schnee. Bei diesen Bedingungen, die schon spätherbstlich anmuten, ist es fast unmöglich eine Transalp mit dem Mountainbike zu unternehmen.
Drei Autostunden südlich lockt jedoch ein Paradies, das die Herzen ambitionierter Biker höher schlagen lässt und dazu noch das unvergleich-liche Flair des „Dolce Vita“ zu bieten hat. Beim Lago, wie Insider den Gardasee nennen, liegen Paradies und Fegefeuer nah beisammen. Für manch unbedarften Bike-Novizen beginnt eine neue Zeitrechnung. Hier ist Schluss mit dem gemütlichen Rollen auf weichen Waldwegen.
Die erste Tour beginnt deshalb ganz gemächlich mit der Auffahrt zum Passo Nota mit seinen 1.208 Metern. Leider ist diese Strecke asphaltiert und nicht für den Autoverkehr gesperrt. Und so versucht so mancher Flachlandtiroler sein Glück bei der Kurvenhatz. Beim Rifugio Alpini beginnt dann doch der echte Fahrspaß für den Stollenritter. Ein Schildchen weißt den Weg zum Corna Vecchia und nach zwei großen Schleifen kommt das Highlight dieser Runde. Die nun beginnende alte Militärpiste verengt sich zum Pfad und führt durch sechs Felstunnels bergab. Am Ende geht es schließlich wieder auf breiter kehrenreicher Schotterpiste mit vielen Gardasee–Panoramen hinab nach Vesio. Dies ist schlechthin die Traumtour zum Einstieg.
Etwas anspruchsvoller und härter wird dann die Fahrt am nächsten Tag. Ausgangspunkt ist wieder der Passo Nota, der sozusagen zum Warmfahren dient. Dort beginnt die faszinierende Tremalzostrasse, die sich in atemberaubenden Kehren an den Felshängen empor schlängelt. Die Piste ist nicht allzu steil, aber wegen des groben Schotters allemal anstrengend genug. Nach einer Prachtfahrt erreicht man den mitten in der Röhre des Tremalzotunnels liegenden Scheitelpunkt der Tour auf 1.863 Metern Höhe. Hinter dem Rifugio Garda geht es anschließend über eine Rüttelpiste und sehr steil hinab ins Valle San Michele. Besonders sehenswert ist dabei der Wasserfall Ca dall`Era.
Ein besondere Tour liegt auf der anderen Seite des Sees. Monte Nago Altissimo heißt vollständig das garstige Biker–Ungeheuer, das sich etwas außerhalb des Lago–Reviers erhebt. Einen halben Tag, fast vier Stunden ist der Durchschnittsbiker vom kleinem Bootshafen in Torbole aus auf lupenreinem Gipfelkurs. Steigungen von über 16 % malträtieren dabei Wadenmuskulatur. Eine Stärkung ist bei der Auffahrt im Rifugio Graziani auf 1.620 Metern möglich bevor es über üblen Schotter steil zum Schlussanstieg bergwärts geht. Oben erwarten dann den geschwächten Stollenritter nicht nur geniale Ausblicke - nein, auch der 20 Kilometer lange Downhill–Marathon erfreut das Bikerherz.
Die aussichtsreichste Strecke auf das Wasser wartet in Riva. Auf eine Initiative der Mountainbiker hin, wurde vor Jahren die alte Ponalestrasse bei naturalisiert. Das ehemalige Bergsträßchen ist nun voll und ganz in der Hand der Mountainbiker und Wanderer, die in Scharen hoch zum Ledrosee oder zum kleinen Bergnest Pregasina pilgern. Die Ausblicke auf das Westufer des Sees sind dabei grandios und laden immer wieder zum Fotostop ein. In Pregasina gibt es die Möglichkeit verbrachte Kalorien in Form von Pasta im Ristorante Panorama zur Genüge wieder aufzufüllen.
Bei der Ruine Malga Palaer fährt man noch ein Stück des neuen Höhenwegs und zweigt dann auf den nur anfangs steilen, aber mit zahlreichen Wurzeln gespickten Trail zum Passo Rocchetta ab. Hinter zahllosen schroffen Felsgraten und Steinkegeln lugt immer wieder das blaue Gewässer hervor, das überzogen ist mit weißen Bootsspuren und übersät mit den winzigen Farbpunkten der Surfsegel. Auf dem nun folgenden markanten Höhenzug verlief bis zum Ersten Weltkrieg noch die Grenzlinie zwischen der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie und Italien.
Kurz hinter der Hütte Baita Segala wartet dann der Hammer auf den Mountainbiker. Der Weg mit der Nummer 120 ist wahrlich nichts für Leute mit Höhenangst oder Herzschwäche. Anfangs zieht sich der Weg durch dichten Wald, wobei darin mehrere Felskanten auf den in die Tiefe stürzenden Biker warten. Danach wird es extrem ausgesetzt und einige Spitzkehren lassen die ganz mutigen Trialbiker über dem Abgrund balancieren. Das nun folgende Bachbett ist dann die vorletzte Herausforderung auf dem Weg ins Downhill-Nirwana. Zum Schluss wartet noch ein fast senkrecht in die Tiefe stürzender Maultierpfad ins Valle del Signol. Das Rüttelmonster lässt so manche Kette vom großen Blatt springen und malträtiert dabei die Unterarme aufs Äußerste. Erst an der Bar Milanese hat das Leiden ein Ende und die Schweißperlen können jetzt abgewischt werden.
Die vielleicht schönste und härteste Tour im Lago–Gebiet liegt etwas versteckt im Hinterland. Der Einstieg zur ersten Auffahrt ist schon Qual pur. Die Strecke zum Passo Scarpape zweigt bei Ca di Natone ab und ist nur im unteren Bereich fahrbar. Mehrere Unwetter haben die Piste regelrecht unterspült und so sind bis zu einen Meter tiefe Spurrinnen zu meistern. Nach zwei Stunden Schieben und Tragen ist man endlich auf der Passhöhe und kann sich so an den Ausblicken bis zu den Brenta Dolomiten erfreuen.
Hinter der nahen Malga Tombea führt ein traumhaftes Weglein zwischen den hochalpinen, keck aufragenden Felsgraten hinauf zum Bocca di Campei und an der steilen Caplone–Nordflanke weiter zu einem Felstunnel. Diese Röhre ist während des Krieges 1914/18 in der Mitte eingebrochen und man muss deshalb sein Bike in kurzem Fußmarsch über den Bergrücken tragen. Dort beginnt ein uralter, anfangs wüster, auf kurzen Abschnitten unfahrbarer und geröllverschütteter Kriegsweg. Später wird daraus ein Traumpfad, der über 400 Höhenmeter und durch einen stockdunklen Tunnel hinab zum Bocca di Lorina führt. Den Abschluss bildet ein Endlos–Downhill hinab ins Valle San Michele.
Solche Glanzpunkte eines Biker–Lebens hält diese Region im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Tirol und Italien in schierem Überfluss bereit. Der Lago zählt deshalb zu den echten Bike-Paradiesen, die eine perfekte Symbiose zwischen anspruchsvollen Trails und Naturgenuss bieten.
Text und Fotos: Timo Rokitta und Stefan Ebert
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ANREISE Die beste Route ist nach wie vor die Brennerstrecke. Von dort aus sind es bis zur Ausfahrt Rovereto noch ca. zwei Stunden. |
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REISEZEITDie Monate April, Mai, September und Oktober sind auf Grund der Temperaturen am besten zum Biken. |
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KARTEN LITERATUR Die Touren sind auf den Kompasskarten 101,102 und 73 ersichtlich. Die "Bibel" für den Lago–Biker ist der Moser Bike Guide. Alle Touren sind dort genau mit Höhenprofil und handlichen Streckenkarten verzeichnet. |
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UNTERKUNFT Als Standort empfiehlt sich das kleine romantische Örtchen Limone sul Garda. Von dort aus geht es direkt hoch zu den Highlights Tremalzo, Nota, Caplone und Rocchetta. Zu empfehlende
Unterkünfte:
Villa Margherita (E-mail: www.villa.margherita@hotmail.it),
Villa delle Querce (E-mail: g_pasquetti@hotmail.com),
Hotel Maxi (E-mail: infohotel@hotelmaxi.it) |
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Fotogalerie zum Ansehen
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