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Pico de Orizaba
Mexiko

Foto: Ralf Neumann und Andi Prielmaier
Ich sitze hier am Fuße des Pico de Orizaba, auf 3800 Meter Höhe in der Spätnachmittagssonne, die Füße in den Schlafsack gesteckt und schreibe die ersten Zeilen über unsere Mexikogeschichte. Der dunkle Sandboden wird von der Sonne wunderbar erwärmt, kein Geräusch ist weit und breit zu hören, ich genieße die Wärme und Ruhe in der einzigartigen von einem erloschenen Vulkan geprägten Landschaft. Heute ist der 8. Dezember 2007. Seit knapp zwei Wochen tingeln wir durchs Land, lernen viele Menschen, deren Kultur und natürlich die mexikanische Bergwelt kennen.
Andi Prielmaier, ein begeisterter Snowboarder und Outdoor-Spezialist und ich haben uns vor drei Wochen kurzfristig dazu entschlossen diese Mexiko Unternehmung gemeinsam zu machen. Räder, Ski und das ganze Berggerödel dabei, so geht’s zunächst ja immer erst mal los. Eineinhalb Tage nach unserem Abflug aus München und sieben Stunden unserer mitteleuropäischen Zeit zurückversetzt, erreichen wir nun zunehmend mehr geplättet Mexiko City.
Das erste größere Abenteuer steht uns bevor, die Autofahrt durch die 23 Millionenstadt und die optimale Wegfindung nach Puebla hinzubekommen. In die Mietkarre (ein Fiat Adventure) geht unser ganzes Zeug gerade so rein, wir sehen durch den Rückspiegel fast gar nichts mehr und wurden von den Autoverleihfritzen außerdem davor gewarnt, dass mit der Stadtpolizei nicht besonders gut Kirschen essen sei. Eine knappe Stunde später sind wir bereits die ersten Pesos los. Die hiesige Stadtpolizei hat uns am Wickel und verlangt 3.800 Pesos für unseren zugebauten Ausblick nach hinten. Mit 1000 kommen wir davon, hören aber später, dass wir uns nicht bestens aus dieser Nummer herausgearbeitet haben.
Abends erreichen wir endlich Puebla, eine 3,5 Millionenstadt. Diese liegt ca. 150 Kilometer östlich von Mexiko City und ein Schulkumpel von mir arbeitet hier seit drei Jahren für ein deutsches Unternehmen. Nach einer genialen weil endlich mal wieder in bequemer Position verbrachten Nacht bei Christof, meinem Kumpel, verabschieden wir uns bereits am nächsten Tag in aller Herrgottsfrühe in Richtung Berge. Von Puebla aus sieht man sie alle, die Großen in Mexiko. Popo (Popocatepetl), Ixta und noch in weiter Ferne den Pico de Orizaba, den höchsten Berg Mexicos.

Leichte Eingehtouren am Malinche und etwas später am Pico sind notwendig, um unsere Körper auf die Belastung in der dünnen Höhenluft vorzubereiten. Noch daheim ist mir ein besonderes Buch in die Hände gefallen. Mexico von Peter Rotter, 1970 erschienen. In diesem Buch beschreibt Rotter unter anderem einen sehr geschäftstüchtigen und liebenswerten Mexikaner, der im Ausgangsort für den Pico, Tlachichuca (2600 Meter) für die Bergtouristen eine kommode Unterkunft und immer gute Tipps parat halten soll. 37 Jahre später versuchen wir unser Glück und fragen nach einem gewissen Senor Reyes. Tatsächlich finden wir den Sohn (mittlerweile mittleren Alters), der nach dem Tod seines Vaters dessen Geschäfte übernommen hat. Sein Hostal ist in Tlachichuca der Meeting Point für alle Bergsteiger und Reyes organisiert neben dem Transport zum Berg mit den hauseigenen Jeeps auch Essen, Unterkunft und wenn nötig sogar fehlendes Material. Auch wir quartieren uns hier ein, halten mit Senor Reyes ein Pläuschchen über die Aufstiegsroute und werden von den anderen Bergsteigern zunehmend mit größer werdenden Augen angestarrt. Ob das an dem halben Sportladen liegt, den wir nach Mexiko mitgebracht haben?
Unsere vierte Nacht seit der Ankunft in diesem Land verbringen wir bereits am Fuße des Pico auf 3800 Meter Höhe. Zuvor hatten Andi und ich in einem anstrengenden 6-stündigen Fußmarsch unsere komplette Skiausrüstung, das Snowboard, Steigeisen und unsere Eispickel bis auf 4600 Meter, nahe an die Schneegrenze heran, hochgeschleppt.
Nach einer langen, kalten Nacht koche ich mir eine kräftigende Nudelsuppe, Andi hat leichtes Kopfweh und keinen großen Hunger. Der Boden ist tiefgefroren und wir entscheiden uns dazu mit unserer Mietkarre etwas näher an das Refugio auf 4200 Meter raufzufahren. Tatsächlich klappt es jetzt und wir sind um kurz nach neun Uhr dort oben. Das Wetter ist kaiserlich und mir kommt spontan ein verrückter Gedanke in den Sinn, wir könnten ja bereits heute versuchen den Gipfel zu erreichen. Fünf Minuten später packeln Andi und ich hektisch unsere Sachen. Wir rechnen noch kurz durch, ob unser Plan zeitlich auch machbar sein würde und kommen zu dem Ergebnis, dass wir so um 16.00 Uhr am Gipfel des Pico stehen könnten.
Gleich nach der Hütte geht es steil nach oben in den Sattel und danach in den Jamapa Gletscher. Am Sattel und nach zwei Stunden Aufstieg treffe ich zwei Spanier, die mir über harte und eisige Verhältnisse am Gletscher berichten. Sie behaupten wir würden von hier aus ca. sechs weitere Stunden bis zum Gipfel benötigen. Das würde für eine Skiabfahrt im Hellen nicht mehr reichen, Andi und ich beschließen aber weiterzugehen. Ab 5000 Meter wird es schwer. Wir bewegen uns jetzt auf dem Jamapagletscher und der Berg ist völlig frei zu sehen. Wir haben sehr gute Bedingungen, perfektes Wetter und kaum Wind.
Die Steigeisen greifen gut und wir hören bei jedem Schritt das Knirschen des kalten Schnees, wenn sich die scharfen Zacken der Steigeisen in den harten Eispanzer des Gletschers bohren. Der Anstieg wird zunehmend steiler und der Blick richtet sich immer seltener nach oben. Das Geräusch des eigenen Atems wird lauter, das Pochen im Kopf ebenfalls. Mit 10er Gehschritten und in Gipfelnähe mit 5er Rhythmen kämpfe ich mich weiter nach oben. Die Pausen werden länger und ich muss mich auf meine Skistöcke stützen. Andi bleibt zurück, ich rufe ihm zu dass der höchste Punkt nicht mehr weit sein kann und versuche ihn für die letzten Meter zu motivieren. Wir sehen bereits den Popocatepetl am Horizont und befinden uns augenscheinlich schon etwas darüber. Am Kraterrand des Pico warte ich vergeblich auf meinen Kumpel, verschnaufe nochmals kurz und gehe dann die letzten Meter ganz allein zum Gipfel. Kein Mensch da und endlich geschafft, nach fünfeinhalb Stunden Aufstieg stehe ich am höchsten Punkt Mexikos!
Die überragende Aussicht und gigantische Wolkenstimmung kann ich gar nicht richtig wahrnehmen, in meinem Kopf hab ich nur noch einen Gedanken, möglichst schnell und sicher abzusteigen und dann zum Skidepot zu gelangen, das wir in etwa auf Hälfte der Wegstrecke gemacht hatten. Andi ist anscheinend schon abgefahren, kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Mir bereitet es große Mühe die Steigeisen abzulegen und in meine Telemarkbindung reinzufinden. Wenn der Kopf länger unten bleibt wird der Schmerz fast unerträglich und die anschließende Abfahrt ist furchtbar. Mit dem Pickel in der Hand fahre ich vorsichtig ab, ein Sturz wäre fatal, da der Gletscher eine einzige harte und eisige Kruste gebildet hat und die Hangneigung durchschnittlich 35 Grad beträgt. Unten an den Ausläufern des Jamapagletschers wartet Andi. Er sieht übel aus und teilt mir mit, dass er sich zweimal übergeben musste und fertig sei. Gemeinsam torkeln wir den Berg runter und mit jedem Meter den wir absteigen nehmen unsere Kräfte wieder zu. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Refugio und sprechen über das Erlebte.
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Am nächsten Morgen beschließen wir nach Puebla zurückzukehren, um von dort unsere Räder zu holen. Diese hatten wir bei meinem Schulkumpel in dessen Haus untergestellt. Von Christof und Familie werden wir nachmittags zu einem fetten Barbecue eingeladen. Wir sitzen mit seinen Freunden lange zusammen, schwitzen bei 25 Grad während wir essen und erfahren viel über die Eindrücke, Anschauungen und Lebensumstände der "deutschen Mexikaner", die hier leben und arbeiten. Unser weiterer Plan kristallisiert sich nun heraus. Nachdem uns alle reichlich von Palenque (heißt übersetzt Hahnenkampfplatz), der bekannten Maya Ausgrabungsstätte vorschwärmen, starten wir früh morgens in diese Richtung, die Räder dieses Mal mit an Bord. Die Entfernung von Puebla nach Palenque ist relativ groß, ca. 800 Kilometer legen wir auf den gut ausgebauten Schnellstraßen (die allerdings nicht ganz billig sind) an fast einem Tag zurück. Die berühmten Maja-Stätten sind allerdings absolut sehenswert und der lange Weg hat sich wirklich gelohnt. Nach ein paar weiteren gemütlichen Tagen, unter anderem ein erfrischendes Bad bei den Wasserfällen von Agua Azul und die Besichtigung typisch mexikanischer Bergdörfchen, kehren wir mit neuer Motivation zum Berg zurück. Zwei wichtige Dinge sollten noch klappen: Andi hat vor den Gipfel zu machen und wir wollen von unserer Abfahrt in Sachen Telemark und Snowboard natürlich auch noch die eine oder andere „Staraufnahme“ schießen. Bei unserem ersten Versuch eine Woche zuvor waren wir einfach zu fertig dafür gewesen.
Wetter und Schneeverhältnisse spielen auch dieses Mal hervorragend mit, es hatte während unserer Abwesenheit sogar ein wenig geschneit. Die Dinge wiederholen sich, erneut liegt ein anstrengender Materialtransport vor uns und erst am nächsten Tag dann der Aufstieg. Alles klappt wie am Schnürchen, wir starten noch in der Dunkelheit und sind um acht Uhr morgens bereits am Jamapagletscher. Die Abfahrt mit unseren Brettern, die die Welt bedeuten, durften wir aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. Höchste Konzentration und fahrerische Vorsicht sind bei diesen eisigen und steilen Bedingungen überlebenswichtig!! Es geht alles gut und nach einem 11-stündigen Bergerlebnis der besonderen Art fahren wir zufrieden und total erledigt zurück in die Zivilisation.
Mexiko ist ein interessantes Land mit absolut gewaltigen Unterschieden unter den dort lebenden Menschen. Es gibt viele neureiche Egoisten, die mit ihren Autos einfach so fahren (und sich auch allgemein so verhalten), als gebe es sonst keine anderen Verkehrsteilnehmer, es gibt aber leider noch vielmehr Menschen, die deutlich unterhalb der Armutsgrenze leben und nicht wissen ob sie am nächsten Tag genug zu essen bekommen. Auf dem Land und dieses Land ist wirklich groß, ist die Situation schon deutlich entspannter, die Mexikaner sind hilfsbereit und sehr offen und freundlich, es sei denn man gibt sich als Gringo (Amerikaner) zu erkennen. Stellt ihr die Frage an uns, ob es Spaß macht mit Ski oder Snowboard das Dach Mexikos zu befahren, so können und müssen wir diese Frage klar mit „Nein“ beantworten. Ist glaub’ ich wirklich eine Sache für Freaks …
Autor: Ralf Neumann
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In den Städten vor allem nachts aufpassen! Hohe Kriminalitätsrate. |
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ANREISE Flug: mit der Iberia von München nach Madrid, Madrid Mexico.
Reisedauer gesamt ca. 16-18 Stunden
Preis: ca. 750.- EUR (2 Gepäckstücke bis 20 Kilogramm)
Räder und Ski: Spezialtarif für Hin- und Rückflug 150.- EUR (muss vorher angemeldet werden) |
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MIETWAGEN Autovermietung Hertz. Mittelklassewagen für 14 Tage ungefähr 50.- EUR/Tag |
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UNTERKUNFT Tlachichuca bei Senor Reyes ca. 200 Pesos inkl. Frühstück (übrigens sehr lecker!!)
Shuttle Service bis auf das Refugio (4200 Meter) und Rücktransport für ca. 450 Pesos (machen Angestellte von Senor Reyes). |
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REISEZEIT Beste Reiseheit für solche Unernehmungen: November/Dezember
Temperaturen am Berg: Tag bis zu 15 Grad plus, Nacht bis zu 15-20 Grad minus |
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GESUNDHEIT Für die Einreise nach Mexiko gibt es keine internationalen Impfvorschriften. Bei Kurzreisen empfiehlt sich ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Tetanus und Diphtherie. Beim Langzeitaufenthalt können zusätzliche Impfungen gegen Hepatitis B, Typhus, ggfs. auch gegen Tollwut angezeigt sein. |
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GELD Landeswährung ist der Peso ($) = 100 Centavos (¢). Wechselkurs (Stand: 13.11.2009): 1 Euro = 19,60 Mexico Peso (MXN). Es besteht keine Devisenkontrolle, Einfuhr, Kauf und Verkauf von US-$- und Euro-Noten in Wechselstuben/Hotels sind möglich.
Alle gängigen Kreditkarten werden weitgehend akzeptiert. Auch Reiseschecks können eingelöst werden. Außerdem kann an Geldautomaten, die dem Maestro-System angeschlossen sind, Bargeld mit der entsprechenden Bank-Karte gezogen werden.
Über „Western Union“ (www.westernunion.de) kann kurzfristig Geld aus Deutschland überwiesen werden. Partner von „Western Union“ in Deutschland ist die „Reisebank AG“ (www.reisebank.de). Von Banktransfers ist allerdings aufgrund langer Überweisungsdauer und der Unzuverlässigkeit der mexikanischen Banken abzuraten. |
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REISEDOKUMENTE Deutsche Staatsangehörige, die als Touristen nach Mexiko reisen, können ohne vorherige Einholung eines Visums einreisen. Sie benötigen für die Einreise nach Mexiko eine Touristenkarte (genannt „FMT“). Diese erhalten Sie während des Fluges und an den Grenzübergangsstellen nach Mexiko. Bei Grenzübertritt wird die Karte gestempelt und der Gültigkeitszeitraum eingetragen. Dabei sollte auf die Gültigkeitsdauer geachtet werden, um späteren Aufwand zur Verlängerung zu vermeiden.
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